Behandlungsfehler


Was ist ein Behandlungsfehler?

Ein Behandlungsfehler liegt vor, wenn ein Behandler oder eine Behandlerin den gebotenen Behandlungsstandard unterschreitet. Gemeint sind in der Regel – aber nicht immer – Fehler durch Ärztinnen und Ärzte (sog. Ärztepfusch).


Die Palette möglicher Behandlungsfehler ist vielfältig. So können Behandlungsfehler in den unterschiedlichsten Bereichen der ärztlichen, aber auch physiotherapeutischen oder geburtshilflichen Versorgung auftreten. Neben individuellen Fehlern von Ärzten und Ärztinnen, Therapeuten und Therapeutinnen, aber auch Geburtshelfern kann es zu organisatorischen Fehlern von Krankenhäusern und auch Praxen kommen (sog. Organisationsfehler).


Abzugrenzen von klassischen Behandlungsfehlern ist darüber hinaus die Verletzung einer Aufklärungspflicht der Behandler. Darüber hinaus ist zwischen einem groben Behandlungsfehler und einem einfachen Behandlungsfehler abzugrenzen, die unterschiedliche rechtliche Folgen mit sich bringen.


 

Was sind typische Behandlungsfehler?

Den einen Behandlungsfehler gibt es nicht. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Behandlungsfehler. Jeder Behandlungsfehler ist individuell, einige ähneln sich aber sehr.


So häufen sich insbesondere folgende Behandlungsfehler:

  • Fehlerhafte Diagnosen,

  • zu spät gesehene Tumore,

  • nicht erkannte Hirnblutungen,

  • zu frühe Krankenhausentlassungen mit anschließenden Infektionen (sog. „blutige Entlassung“),

  • fehlerhafte Wirbelsäulenoperationen,

  • fehlerhafte Versorgung von Brüchen, insbesondere zu langen oder fehlerpositionierten Schrauben,

  • unzureichende Überwachung der Geburt und Geburtsvorbereitung (sog. Geburtsfehler).

 

Was ist ein Befunderhebungsfehler?

Immer wieder werden – leider – auch nicht ausreichend Befunde erhoben. Diese Befunderhebungsfehler führen oft zu einem verspäteten Vorgehen mit weitreichenden Folgen.


Ein Befunderhebungsfehler ist ein klassischer Behandlungsfehler, der jedoch rechtlich besondere Bedeutung erlangen kann. Bei einem Befunderhebungsfehler wird auch wie bei einem klassischen Behandlungsfehler der medizinische Facharztstandard unterschritten. Konkret liegt der Fehler allerdings darin, dass ein medizinisch notwendiger Befund nicht erhoben wurde. Informationen, die also von den Behandlern oder Behandlerinnen hätten erhoben werden müssen, wurden schlicht nicht erhoben.


Klassische Befunderhebungsfehler sind z.B.

  • kein EKG geschrieben trotz Brustschmerzen,

  • keine Röntgen-, CT- oder MRT-Untersuchung,

  • keine Blutabnahme und Laboruntersuchung,

  • kein CTG geschrieben.

Der Befunderhebungsfehler ist für Geschädigte oft rechtlich vorteilhaft. Denn im Falle eines Befunderhebungsfehlers kann es – wie auch bei einem groben Behandlungsfehler – zu einer günstigen Beweislastumkehr kommen. So sieht § 630h Abs. 5 S. 2 i.V.m. S. 1 BGB vor, dass der Ursachenzusammenhang zwischen Befunderhebungsfehler und dem Eintritt des Gesundheitsschadens vermutet wird, wenn eine „Nichtreaktion“ auf den zu erhebenden Befund (der tatsächlich nicht erhoben wurde) einen groben Behandlungsfehler darstellen würde. Das ist sehr oft der Fall.


Abzugrenzen ist der Befunderhebungsfehler von einem Diagnosefehler. In diesen Fällen ist ein Befund zwar erhoben, dieser aber nicht richtig ausgewertet worden. Auch ein Diagnosefehler kann ohne weiteres ein Behandlungsfehler sein – nicht aber ein Befunderhebungsfehler, sodass es nur zu einer Beweislastumkehr kommt, wenn der Diagnosefehler selbst ein grober Behandlungsfehler ist (sog. fundamentaler Diagnosefehler).


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